Der Ariadne-Mythos

Der Ariadne-Mythos

Ariadne war – der griechischen Mythologie nach – eine Tochter des kretischen Königs Minos. Ihr Halbbruder war das Mischwesen Minotaurus, der in dem von Dädalos gebauten Labyrinth gefangen gehalten wurde. Im Ursprung wurde sie als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt.

Der athenischen Sage nach hatte Minos Athen unterworfen, nachdem die Athener seinen Sohn ermordet hatten. Zur Sühne mussten die Athener jedes Jahr sieben Jünglinge und Jungfrauen nach Kreta schicken. Dort wurden die Jungrfrauen dem Minotaurus als Menschenopfer dargebracht, während die jungen Männern zu Kampspielen dienten.

Als dies zum dritten Mal geschehen sollte, ging der athenische Königssohn Theseus als Opfer mit nach Kreta. Dort verliebte sich Ariadne in ihn. Nachdem Theseus ihr die Ehe versprochen hatte gab sie ihm auf einen Rat von Dädalos hin ein Wollknäuel. Theseus befestigte den Faden am Eingang des Labyrinths und spulte ihn auf dem Weg ins Innere ab. Dort erschlug er den Minotaurus und fand mit Hilfe des Fadens wieder zum Ausgang zurück.

Was dann geschah ist nicht ganz klar. Homer erzählt in seiner Odyssee, dass sie der Eifersucht der Göttin Artemis zum Opfer fiel. Kurze Zeit nach Homer berichtet der Dichter Hesiod, Ariadne wurde auf der Insel Naxos von Theseus zurückgelassen. Dort fand sie der Gott Dionysos schlafend am Strand und verliebte sich in sie und nahm sie zu seiner Frau. Ihr Sohn Oenopion verkörperte in der antiken Mythologie den Weinbau. Bereits in der Antike wurde die Geschichte Ariadnes in vielen Variationen erzählt. Ihr Mythos ist jedenfalls eine der ältesten Erzählungen um Liebe und Verrat.

AriannaArianna ist Ariadne. Am 28. Mai 1608 findet im Hoftheater Mantuas anlässlich der Vermählungsfeierlichkeiten des Prinzen Francesco von Gonzage mit Margherita von Savoyen die Uraufführung einer Oper von Monteverdi statt: L’Arianna.

Aus Ariadne wurde im Laufe der Jahrhunderte Arianna und aus Theseus Teseo. Die Geschichte blieb im wesentlichen gleich. Monteverdis Oper verkürzt das Geschehen auf die Ereignisse auf der Insel Naxos. Teseo verläßt Arianna, da sie vorgeblich nicht standesgemäß ist. Diese verzweifelt und wird von Bacco (Bacchus) gerettet. Der Faden verkürzt sich. Die Verwicklungen werden weniger.

Am 26. Januar 1734 findet im King’s Theater am Londoner Haymarket eine weitere Uraufführung statt. Diesmal hat sich Georg Friedrich Händel mit dem Ariadne- bzw. Arianna-Mathos befasst. Arianna in Creta heißt seine Oper. Ort des Geschehens ist, wie der Titel schon sagt, die Insel Kreta. Arianna ist jetzt eine thebanische Geisel am Hofe des Königs Minos. Tatsächlich aber ist sie die Tochter König Minos, die von Thebanern entführt wurde. Theseus-Teseo weiss um dieses Geheimnis und kann am Ende – nach der obligatorischen Tötung des Minotaurus – alles aufklären. Diesmal steht dem Happy End nichts mehr im Wege.

 

 

PhaidraPhädra, im Griechischen Phaidra (die Strahlende) kennt man vor allem als die verhängnisvolle Liebhaberin ihre Schwiedersohnes Hippolytos. Sie ist – wie Ariadne – die Tochter des kretischen Königs Minos und seiner Frau Pasiphae. Deukalion, ihr Bruder, hatte sie Theseus zur Frau gegeben, nachdem dessen Ehe mit der Amazone Hippolyte gescheitert war.

Bei der Hochzeitsfeier mit Phädra kam es zu Kämpfen, in deren Verlauf die Amazonenkönigin Hippolyte getötet wurde. Von Hyppolyte hatte
Theseus einen Sohn, Hippolytos. Phädra verliebte sich in ihren Stiefsohn.  Dies geschah allerdings nicht aus eigenem Antrieb. Es war vielmehr die Rache der Aphrodite am keuschen Hippolytos. Nach innerem Ringen gestand Phädra dem Hippolytos ihre Liebe, der sie jedoch aus scheinbar allgemein mangelndem Interesse an Frauen seinem Vater Theseus von der Affäre berichten werde, täuschte sie eine Vergewaltigung
durch Hippolytos vor und tötete sich selbst mit Gift, woraufhin Theseus den Gott Poseidon bat, seinen Sohn zu vernichten. Hippolytos flieht und Poseidon schickt ein Meeresungeheuer, das die Pferde am Wagen des Hippolytos scheu macht. Hippolytos stürzt vom Wagen, verfängt sich in den Zügeln und wird zu Tode geschleift. Theseus erkannte den wahren Sachverhalt zu spät. Verwicklungen auch hier, diesmal aber mit einem tragischen Ausgang.